Panoramafahrt über den Vršičpass

Wegen diverser gescheiterter Planungen musste dieses Jahr ein pandemiesicheres Ausweichprogramm her. Wegen der im September so instabilen Lage (täglich änderten sich Einreise- und Quarantänebedingungen im In- und Ausland) entschieden wir uns, mit dem Auto nach Süden zu fahren und zu schauen wo wir ankommen.

Unter Anderem verschlug es uns für ein paar Tage nach Slowenien. Einmal dort wollte ich gern ein Highlight wiederholen, welches wir im Jahr 2016 bereits mit einer kleinen Gruppe mit Guide gemacht haben: Die Überquerung des Vršičpasses.

Unser etwas hecklastiges Reisefahrzeug genießt den wundervollen Ausblick

Auf dem Papier ist der Pass recht unspektakulär: 1611m hoch (damit allerdings der höchste befahrbare Pass in Slowenien), 27km lang, maximale Steigung 14%, überwiegend asphaltiert. Das Kopfsteinpflaster in vielen der 50 Haarnadelkurven bremst vermutlich auch die Begeisterung vieler Motorradfahrer.

Dennoch wird die Straße sogar im Denzel Alpenstraßenführer bejubelt – und das hat mehrere Gründe. Zum einen ist er geschichtlich interessant. Wie weite Teile der Julischen Alpen spielte er im ersten Weltkrieg für Österreich-Ungarn eine Rolle. Ab 1915 von russischen Kriegsgefangenen erbaut, kamen 1916 mehr als 400 davon bei einem Lawinenunglück ums Leben. Zu ihrem Gedenken wurde an der Nordseite des Passes eine Kapelle errichtet, welche im Jahr 2016, kurz nach unserem letzten Besuch, gar vom russischen Staatsoberhaupt Wladimir Putin besucht wurde.
Relikte aus dieser Zeit erinnern hier vielerorts daran, welch Privileg es ist, keinen Krieg erleben zu müssen.

Viele der Geschosse haben das Innere der Stellung erreicht – vermutlich mit fatalen Folgen

Zum anderen bietet der Pass eine grandiose Aussicht. Landschaftlich vermitteln mir die Julischen Alpen häufig das Gefühl, dass man sich 1000 Meter höher befindet als man eigentlich ist. Und auch Vršičpass lässt uns schnell vergessen, dass der Scheitelpunkt gerade mal auf 1611m liegt. Der stete Blick auf den imposanten Triglav und seine umliegenden Gebirge vermitteln Hochgebirgsfeeling.

Anfahrt

In den Sommermonaten ist der Pass für den Verkehr freigegeben, Maut wird nicht erhoben. Wohnmobile dürfen Fahren, für Gespanne ist der Pass meines Wissens gesperrt (und auf jeden Fall nicht empfehlenswert). Er kann von beiden Richtungen befahren werden.

Wir sind ihn von Süden nach Norden gefahren, also von Bovec nach Kranjska Gora. Hierfür fährt man etwa 1km nördlich von Bovec von der 203 auf die 206 Richtung Osten. Nach etwa 18,5km folgt man der 206 weiter in Richtung Norden, dann befindet man sich bereits auf dem Pass, der zunächst parallel zur Soča verläuft.

Kommt man aus dem Norden fährt man im Osten von Kranjska Gora von der 201 auf die 206 in Richtung Süden. Dann erreicht man nach gut 7km die russische Kapelle und muss diesen Beitrag quasi von unten lesen 🙂

Bergauf: Die Quelle der Soča

Nach etwa 3,5km folgt ein Highlight, welches – wie so viele in Slowenien – schnell übersehen werden kann: Die Quelle der Soča. In Kurve 49 geht eine Straße nach Westen ab. Dieser folgend erreicht man nach etwa 1,2km, kurz bevor die Straße unbefestigt wird, einen kleinen Gasthof. Dort kann man parken und einen kleinen Fußweg nach Norden nehmen, welcher in einen mittels Drahtseil gesicherten Steig übergeht. Dieser führt zur Quelle der Soča (Gesamtanstieg: etwa 20min, ca. 60hm). Für den Steig benötigt man keine Ausrüstung, gutes Schuhwerk, etwas Schwindelfreiheit und Trittsicherheit schaden jedoch sicherlich nicht.

Der Vršičsattel

Nur ein kurzer Anstieg, und schon fühlt man sich wie bei einer Bergwanderung

Gut zwei dutzend Haarnadelkehren später (etwa 8,5km vom Abzweig zur Quelle) erreichen wir den höchsten Punkt des Passes. Dort stehen einige Parkplätze zur Verfügung (manche Quellen behaupten sie seien kostenpflichtig, wir haben nichts davon bemerkt). Von dort lassen sich lange Wanderungen durch das umliegende Gebirge starten. Aber bereits ein kurzer Spaziergang über die zwar steilen, aber breiten und gut ausgebauten Wanderwege sind absolut lohnenswert. Neben einer Reihe offensichtlicher Kriegsschauplätze bieten sich hier unzählige wunderschöne Gebirgspanoramen, mit denen man ganze Kalender füllen könnte. Leider hatte die Sonne sich bei unserer Ankunft bereits hinter den Bergen versteckt.

Wer findet das Paganmädchen? Ihr gesicht hat sich einer Legende nach in Fels verwandelt und blickt von dort ins Tal.

Bergab

Bei unserer Rückfahrt war die Dämmerung leider schon recht fortgeschritten, sodass wir zugesehen haben weiter nach Bled zu kommen. Da wir wie gesagt die Süd-Nord Richtung gefahren sind, kamen wir nun nach etwa 5,3km an der oben genannten Kapelle vorbei und konnten noch das eine oder andere Panorama genießen. Und etwas weiter talwärts trafen wir sie auch endlich: die glücklichen Kühe!

Vorsicht, die Kühe sind es gewohnt dass der Verkehr ihnen ausweicht.

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