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Tourenberichte

Bergwanderung: Guerguessteig Teneriffa

Teneriffa ist wohl eines der vielseitigsten Ziele in Europa (Zugegeben: geologisch gehört es zu Afrika!). Mir ist keine andere Insel bekannt, auf welcher man auf so engem Raum so viele verschiedene Landschaften antreffen kann. So sind es auf Teneriffa lediglich etwa 13,6km Luftlinie von der Küste bis zum höchsten Gipfel auf spanischem Hoheitsgebiet: dem 3715m höher gelegenen Pico del Teide, welcher aus fast allen Teilen der Insel gut sichtbar ist.

Hier geht es aber nicht um eine Hochgebirgswanderung – auch wenn man dies unterwegs schnell vergisst. Der Guergessteig ist eine Kammwanderung etwa 1000m über dem Meeresspiegel. Er bietet atemberaubende Ausblicke über das Tenogebirge und die wesentlich bekanntere Masca-Schlucht.

ACHTUNG:
Wie man bei siebeninseln nachlesen kann, ist der Einstieg zum Steig seit Anfang 2018 offenbar gesperrt. Es gibt keine Möglichkeit, die Wanderung zu machen, ohne (unmissverständlich) gesperrtes Privatgrundstück zu betreten. Wir scheinen großes Glück gehabt zu haben, dass wir ihn im August 2017 noch begehen konnten. Wir bleiben auf dem Laufenden, bis auf weiteres verzichte ich jedoch auf eine genaue Wegbeschreibung.

Anspruch und Ausrüstung

Der Steig ist kein Rundweg, der Hinweg ist auch der Rückweg. Unsere Variante ist komplett etwa 5,5km lang und überwindet zwischen 300 und 350 Höhenmeter im Aufstieg. Gute Wanderschuhe, am besten knöchelhoch, werden empfohlen. Wanderstöcke nach Geschmack, wir hatten keine dabei.
Die Strecke würde ich als mittelschwer bezeichnen (damit deckt sich meine Einschätzung mit den einschlägigen Wanderführern). Trittsicherheit und Schwindelfreiheit in einem gewissen Maße sollten vorhanden sein. Objektiv kritische Passagen gibt es jedoch nicht.
Es gibt wenig schatten und je nach Jahreszeit kann die kanarische Sonne ordentlich Temperatur verursachen. Großzügige Trinkwasservorräte sind also trotz der recht kurzen Wanderung obligatorisch.

Anfahrt

Die TF-436 bis N28.300302° W16.826711° fahren. Dort findet ihr in einer Kehre Parkmöglichkeiten. Die Anfahrt schafft jedes Fahrzeug ohne schwierigkeiten. Geht die TF-436 von dort aus etwa 150m bergab in Richtung südosten, dort beginnt der Steig.

Der Weg sieht aus der Ferne manchmal abenteuerlich aus. Man bekommt den Eindruck, er verlaufe teils nur wenige Zentimeter an der Hangkante. Stellenweise führt er über breite Passagen ohne erkennbaren Pfad. Die Grobe Richtung ist mit Steinmännern und Punkten gekennzeichnet, es ist jedoch nicht immer leicht, ihn wiederzufinden.

In einem seichten auf und ab sammelt man eine überschaubare Anzahl Höhenmeter. Der letzte Anstieg bringt uns jedoch recht Steil von etwa 940 auf knapp 1020m über Meereshöhe. Dabei begleiten uns wunderschöne Formationen aus Basalt und Trachit:

Das letzte Stück liegt nachmittags dankenswerter Weise im Schatten. Die letzte Serpentine ist menschengemacht und nichts für schwache Nerven. Ohne Befestigung geht es steil abwärts. Der Weg ist recht breit, aber Schwindelfreiheit und Trittsicherheit muss man hier mitbringen.

Die Mühe wird jedoch mit einem atemberaubenden Ausblick über die Wetküste Teneriffas belohnt. Im Süden blickt man auf Puerto Satiago mit einem lebhaften Schiffsverkehr, nach Norden hat man einen guten Blick über das Tenogebirge, und wenn man bei guter Sicht nach Westen über das Meer blickt, kann man La Gomera – und manchmal vielleicht sogar La Palma – sehen. Gen Osten hat man natürlich einen tollen Blick auf den Teide.

Dieses Foto entstand am Dreschplatz, dem vorläufigen Ziel unserer Wanderung. Er ist schon lange aufgegeben, vermutlich war der Lange zuweg uns insbesondere der Transport der Güter über diesen einfach nicht mehr wirtschaftlich. Schade, an diesem schönen Fleckchen Erde ist die Arbeit sicherlich ein Genuss… Wobei… Vermutlich nur für begrenzte Zeit.

Wer noch Zeit und Lust hat kann von diesem Punkt noch etwa 200 Höhenmeter bergab steigen, dort gelangt man dann zur Finca Guergues, welche ebenfalls verlassen ist. Da sich unser Tag jedoch dem Ende neigte – es war bereits fast 19:00 Uhr – haben wir darauf verzichtet und den Rückweg angetreten.

Es sollte sich zeigen dass dies eine weise Entscheidung war, meine treuen Hanwag Tatra, die mich seit vielen Jahren durch die Welt trugen, haben leider das Zeitliche gesegnet.

Die provisorische Reparatur erwies sich mit dem kleinen Gepäck als nicht ganz trivial, habe ich ansonsten eigentlich immer Kabelbinder, Paracord oder Isolierband im Rucksack, musste dort die Handschlaufe meiner Taschenlampe herhalten. MacGyver wäre stolz auf mich.

Und so neigte sich eine wunderschöne Wanderung dem Ende. Die Sperrung des Einstiegs finde ich außerordentlich schade. Andererseits hat der dort ansässige Farmer den Weg stets unter der Voraussetzung offen gehalten, dass keine Hunde mitgenommen werden, da er dort freilaufende Ziegen hält. Dies kann ich gut verstehen, da in diesem Gelände eine panische Flucht für eine Ziege schnell mit einem gebrochenen Genick enden kann. Nun hat er wohl die Konsequenz daraus gezogen, dass sich scheinbar viele nicht daran gehalten haben (man findet im Netz nach kurzer Suche „Beweisfotos“). Schade, für mich jedoch völlig nachvollziehbar.

Ich hoffe natürlich dennoch, dass sich in Zukunft eine Lösung finden lässt, den Weg wieder zu eröffnen.

Bis bald,

Bene

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